Deutscher Qualitätspreis 2011

Dr. Christa Maar erhält den Deutschen Qualitätspreis Gesundheit 2011

Ulf Fink, Vorsitzender Gesundheitsstadt Berlin, überreicht den Deutschen Qualitätspreis Gesundheit 2011 an Dr. Christa Maar, Leiterin der Felix Burda Stiftung

Im Rahmen des 5. Nationalen Qualitätskongresses Gesundheit wurde am 24. November 2011 in Berlin der Deutsche Qualitätspreis Gesundheit verliehen. Die von dem gemeinnützigen Verein Gesundheitsstadt Berlin e.V. gestiftete Auszeichnung ist der bedeutendste nationale Qualitätspreis des Gesundheitswesens und mit 10.000 Euro dotiert. Die Auszeichnung würdigt Persönlichkeiten oder Institutionen, die sich in vorbildlicher Weise für die Entwicklung und Umsetzung innovativer Konzepte zur Qualitätssicherung und -verbesserung in der Gesundheitsversorgung einsetzen.

Die Jury hat sich in diesem Jahr einstimmig für Frau Dr. Christa Maar als Preisträgerin entschieden. Dr. Christa Maar ist Leiterin der Felix Burda Stiftung.

Die Felix Burda Stiftung wurde vor zehn Jahren von Dr. Christa Maar und Hubert Burda auf Wunsch ihres an Darmkrebs verstorbenen Sohnes Felix gegründet. Seit ihrer Gründung hat die Felix Burda Stiftung durch den unermüdlichen Einsatz von Frau Dr. Maar große Fortschritte in der Darmkrebsvorsorge erreicht.

Hauptaufgabe der Stiftung ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Darm¬krebs durch Vorsorgeuntersuchungen verhindert werden kann und in einem frühen Stadium auch heilbar ist. Da Darmtumoren sehr langsam wachsen, lässt sich mit einer Früherkennungsuntersuchung (Koloskopie – Darmspiegelung) das Risiko einer Erkrankung um mehr als 90 Prozent senken.

Seit Einführung der gesetzlichen Vorsorgedarmspiegelung 2002 haben 4,3 Millionen Versicherte eine Vorsorgeuntersuchung durchführen lassen. Rund 100.000 Neuerkrankungen konnten durch diese Untersuchungen verhindert, 50.000 Karzinome konnten in einem frühen Stadium entdeckt und geheilt werden. Besonderes Augenmerk legt die Stiftung in ihren Anstrengungen auf den familiär vorbelasteten Personenkreis (rund drei bis vier Millionen in Deutschland), der einem nachweislich erhöhten Risiko ausgesetzt ist.

Mit zahlreichen innovativen Kampagnen schaffen es Dr. Christa Maar und die Felix Burda Stiftung immer wieder, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema Darmkrebs zu lenken. So führte die Stiftung beispielsweise den  

„Darmkrebsmonat März“ ein und entwickelte das größte begehbare Darmmodell Europas unter dem Titel „Faszination Darm“, in dem Besucher in die Rolle eines Koloskops schlüpfen können.

Durch die Arbeit der Felix Burda Stiftung und die gesetzlichen Vorsorgedarm-spiegelungen ist zudem ein hoher Qualitätsstandard in der Durchführung von Dickdarmspiegelungen unterstützt worden. Dies drückt sich nicht zuletzt in der seit dem 01.01.2010 gültigen bundesweiten Qualitätssicherungsvereinbarung zur Koloskopie aus.
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Der Deutsche Qualitätspreis Gesundheit wird jährlich von Gesundheitsstadt Berlin e.V. gestiftet; der Verein ist  das Hauptstadtnetzwerk wesentlicher Akteure des  Gesundheitswesens. Mit dem Nationalen Qualitätskongress Gesundheit möchte   Gesundheitsstadt Berlin zu Qualitätsverbesserungen und Patientensicherheit in Medizin und Pflege bundesweit beitragen.

Die Laudatio

Die Laudatio auf Dr. Christa Maar hielt Winfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg.

Die Laudatio im Wortlaut

Liebe Frau Dr. Maar,
Herr Fink,
meine Damen und Herren,

die Gesundheitsstadt Berlin verleiht im Rahmen des 5. Nationalen Qualitätskongresses zum vierten Mal den Deutschen Qualitätspreis Gesundheit. Die Auszeichnung würdigt Persönlichkeiten, die sich in vorbildlicher Weise in der Gesundheitsversorgung einsetzen.

Die Jury hat in diesem Jahr Frau Dr. Christa Maar, Gründerin und Vorsitzende der Felix Burda Stiftung, als Preisträgerin ausgewählt. Eine äußerst kluge Entscheidung der Jury.

Zunächst einmal, liebe Frau Dr. Maar, möchte ich Ihnen zu dieser Auszeichnung von ganzem Herzen gratulieren. Ich freue mich für Sie, und ich freue mich darüber, dass ich die Laudatio heute halten darf. Eine Laudatio auf eine hochinnovative beeindruckende Frau, die immer wieder zeigt, wie erfolgreich ein Engagement für ein Projekt sein kann, wenn man die Fähigkeit besitzt, die eigene Begeisterung auf andere zu übertragen.

Meine Damen und Herren, wenn Sie sich einmal die innovative Szene im Medizinbetrieb ansehen, bemerken Sie, dass meist Einzelpersonen nachhaltig wirkende Prozesse und Trends auslösten. Dies gilt sowohl für die Forschung als auch für das Medizinmanagement. Diese Innovatoren fragten nicht, ob das Vorhaben funktionieren könnte, sondern handelten nach der Devise „Nicht gestartet, ist schon verloren.“

Frau Dr. Maar, wer Ihnen wo auch immer begegnet und mit Ihnen über Ihre Stiftung zur Förderung der Darmkrebsvorsorge spricht, ist sofort von Ihrer Art der Interessensweckung angetan. Man überlegt direkt, wie kann man mitmachen. Jedenfalls ist es mir immer so ergangen. Diese Eigenschaft des Begeisterns ist ein Naturtalent von Frau Dr. Christa Maar.

Im Alter von 33 Jahren starb 2001 Ihr Sohn Felix an Darmkrebs. Dieses für Ihre Familie erschütternde Ereignis war Auslöser für die Gründung der Felix Burda Stiftung. Sie erkannten vor 10 Jahren auch, wie wenig man in Nichtfachkreisen wußte über den Darmkrebs, vor allem was die Risikolage familiär belasteter Menschen betraf.

Dass wir heute 2011, also nur 10 Jahre nach der Gründung Ihrer Stiftung über Darmkrebs völlig offen reden, über die Vorsorgeuntersuchung sprechen wie über den nächsten Bundesligaspieltag, in der Werbung prominente Künstler ein Bekenntnis zur Darmkrebs-Früherkennungs-untersuchung abgeben, die Darmkrebs-Früherkennungs-untersuchung in den Vorsorgekatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wurde, scheint wie eine Selbstverständlichkeit. Dass dies so ist, liebe Frau Dr. Maar, verdanken wir Ihnen. Sie haben nicht locker gelassen. Sie haben gekämpft. Sie haben Netze geknüpft.
Entscheidungsträger an den Verhandlungstisch gebracht, die mediale Welt für Ihr Thema interessiert. Und dies ist wohl das Entscheidendste: Sie haben maßgeblich mit dazu beigetragen, dass Menschenleben - bis heute ca. 150.000 - durch den Erfolg Ihrer Arbeit gerettet werden konnten. Eine traumhafte 10-Jahre-Bilanz.

Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage haben 73 % der Deutschen vor einer Krebserkrankung die meiste Angst. Es folgen Unfälle mit schweren Verletzungen, der Schlaganfall und die Demenz. Um 20 % gestiegen ist im Vergleich zum Vorjahr die Angst vor einer psychischen Erkrankung. Dies besonders in der Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen.

250.000 Deutsche sind an Darmkrebs erkrankt. 2010 starben 27.000 Menschen an den Folgen des Darmkrebses. Bei 30 % der Patienten ist der Darmkrebs familiär bedingt. Bei über 80 % der Darmkrebspatienten ließ sich die Ursache früh erkennen.

Zahlen, die für sich sprechen und für die Notwendigkeit, den Darmkrebs durch Vorsorge-Koloskopie früh zu erkennen. Vorsorge rettet Leben.

Meine Damen und Herren, im Medizinbetrieb innovative Ideen in einem akzeptablen Zeitraum umzusetzen, ist heute eine Herausforderung der besonderen Art.

Unser Medizinbetrieb in seiner Überreglementierung, Überbürokratisierung, Überökonomisierung und Überideologisierung macht den Menschen, den Patienten Angst. Sie leiden nicht nur an ihrer nicht selten das Leben gefährdenden Krankheit, sondern auch an den Abläufen im Medizinbetrieb. Der Mensch fürchtet, was er nicht versteht.

Manchmal habe ich das Gefühl, wir hätten im Gesundheitswesen auch Vollbeschäftigung ohne Patienten. Wir müssen im Medizinbetrieb zurück zur echten patientenbezogenen Realwelt. Eine solche Bewertung des Medizinbetriebes ist nicht Ausdruck genereller Kritik an der Medizin – dafür gibt es keinen Anlaß -, sondern eine Erkenntnis aus eigener langjähriger Erfahrung im Umsetzen patientenorientierter Projekte. Das Suchen nach Gründen, warum etwas nicht geht, ist im Medizinbetrieb beliebter als das frühzeitige Erkennen und Begleiten guter Entwicklungen für den Patienten.

Wir müssen wieder intensiver Kranke behandeln, nicht Krankheiten. Wir brauchen wieder Ärzte mit „hörenden Herzen“. Unsere Vergütungssysteme bilden die Bedeutung des Patientengespräches schlecht ab.

Liebe Frau Dr. Maar, aufbauend auf die Erfolge Ihrer zehnjährigen Arbeit in der Darmkrebsvorsorge sind Ihre Schwerpunkte für die Zukunft Ihrer Stiftung richtig gesetzt.

Die Sicherung der Qualität der Früherkennung, aber auch die Sicherung in der Therapie des Darmkrebses ist von herausragender Bedeutung. Ob dies zu vermehrten Darmkrebszentren führen sollte, ist eine Option. Auf jeden Fall muss es aber dazu führen, gesichertes Wissen und Können in der Behandlung des Darmkrebses transparenter zu machen. Ihr unermüdlicher Einsatz auch auf europäischer Ebene für die Schaffung von Qualität sichernden Leitlinien zur Darmkrebsvorsorge ist ebenso herausragend wie die Forderung nach mehr patientenorientierten wissenschaftlichen Studien.

Dass Sie auch von den Krankenkassen mehr erwarten in der Vorsorge von Versicherten, die ein familiär belastendes Risiko tragen, ist absolut verständlich. Wir als Krankenkassen können anhand unserer Daten den zusätzlich gefährdeten Kreis der Risikoträger erkennen. Erkennen allein reicht aber nicht, das kostenfreie engmaschigere Vorsorgeprogramm muss verstärkt zur Umsetzung kommen. Dies darf weder an der Gesetzeslage noch an den Kosten scheitern.

Wir haben schon vor zwei Jahren im Rheinland mit Ihrer Begleitung das Pilotprojekt „Persönliche Einladung“ zur Vorsorge-Koloskopie mit sehr großem Erfolg umgesetzt. Wir werden es jedes Jahr wiederholen.
(ggf. Anmerkungen zum FC Köln-Projekt)

Der auch von Ihnen angestrebte Ausbau der betrieblichen Prävention ist auch durch diese Bundesregierung geplant. Allerdings gibt es in der Gesundheitspolitik häufig die Mischung von markigen Worten und mageren Taten. Die Einbindung der individuellen Ansprache der Beschäftigten in den Unternehmen für die Krebsvorsorge bleibt als Bestandteil betrieblicher Gesundheitsförderung jedenfalls auf der Agenda. Dafür, liebe Frau Dr. Maar, werden auch wir – die Krankenkassen – sorgen.

Ihre Petition an den Deutschen Bundestag im Handlungsfeld Betriebliche Prävention, die Krebsvorsorge stärker zu beachten, ist Ausdruck Ihrer Entschlossenheit und Sie haben zu Recht zahlreiche Mitzeichner der Petition gefunden.
 
Meine Damen und Herren,

Dass der März der Darmkrebsmonat ist und immer mehr Einrichtungen im Gesundheitswesen sich angesprochen fühlen, mit den unterschiedlichsten Kampagnen für die Inanspruchnahme der Darmkrebsvorsorge zu werben, ist auch Ergebnis der Begeisterungsfähigkeit von Frau Dr. Christa Maar.

Die Verleihung des Felix Burda Awards seit 2003 für auszeichnungswürdiges Engagement in der Darmkrebsvorsorge, aber auch in der Forschung ist Zeugnis einer Vernetzung unterschiedlicher Welten mit dem Ziel der gemeinsamen Belebung des Slogans Ihrer Stiftung „Auch wenn Sie sich gesund fühlen, gehen Sie zur Darmkrebsvorsorge.“

In einem Berliner Hotel großen Künstlern zu begegnen, die der Verleihung des Felix Burda Awards eine besondere Note geben und damit die Aufmerksamkeit auf die Botschaften der Stiftung erhöhen – dies, liebe Frau Dr. Maar, schaffen nur Sie als großartige, liebenswerte, sachkundige und faszinierende Frau.

Der Medizinbetrieb, liebe Frau Dr. Maar, kann sich glücklich schätzen, dass Sie zu einem gestaltungsnotwendigen Segment, nämlich der Krebsfrüherkennung mit die Weichen stellen, Zeichen setzen und immer wieder durch neue Ideen wie z. B. dem  iPhone- und Android-App „APPzumARZT“ überraschen.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Ihre Leidenschaft für eine große Aufgabe nie nachlässt.

Die Felix Burda Stiftung unter der Leitung von Frau Dr. Christa Maar kann stolz sein auf das Erreichte und ist ein leuchtendes Beispiel für den Erfolg, der sich einstellt, wenn man Kämpfer des Kalibers Dr. Christa Maar an der Seite hat. Es ist schön, liebe Frau Dr. Maar, Sie auf Ihrem Weg zu begleiten.

 

Die Laudatio finden Sie hier zum Download.