Rückblick Kongress 2010

- Laudator Dr. Maximilian Gaßner, Preisträger Dr. Axel Munte, Ulf Fink, Senator a.D.
4. Nationaler Qualitätskongress Gesundheit: Schulterschluss zwischen Gesundheitspolitik und Medizin: Qualität ist Wettbewerbselement Nr. 1 im Gesundheitswesen
Berlin, 29. November 2010 – Über 300 Entscheider aus Gesundheitspolitik und Gesundheitswesen haben sich am 25. und 26. November in Berlin zusammen mit den Vertretern von sieben Fachgesellschaften darüber beraten, wie die Qualität in der Gesundheitsversorgung nachhaltig verbessert werden kann.
„Qualität wird zum wichtigsten Wettbewerbsinstrument im Gesundheitswesen. Wir müssen deshalb hin zu einer sektorenübergreifenden Qualitätssicherung, die den Behandlungsprozess an seinen Ergebnissen misst “, sagte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Stefan Kapferer, im Rahmen der Podiumsdiskussion „Qualität in der gesundheitspolitischen Arena.“ Weitere Gesprächspartner waren Dr. Rainer Hess (G-BA), Karen Pottkämper (AQUA-Institut), Prof. Bertram Häussler (IGES-Institut) und Dr. Rolf Koschorrek (CDU/CSU Bundestagsfraktion im Deutschen Bundestag) sowie Ulf Fink (Gesundheitsstadt Berlin e.V.).
Staatssekretär Kapferer legte Wert darauf, dass der Dokumentationsaufwand zur Qualitätssicherung in Grenzen gehalten und möglichst auf Basis von Routinedaten durchgeführt wird. Sollten dafür gesetzgeberische Schritte notwendig sein, schloss er dies nicht aus.
G-BA kündigt sektorenübergreifende Qualitätssicherung anhand von Patientendaten an
Bisher hatte sich die Qualitätssicherung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) auf den stationären Sektor beschränkt, mit dem Nachteil, dass die Qualität der gesamten Behandlungskette einschließlich des ambulanten Sektors nicht beurteilt werden konnte. Nun soll nach Angaben des G-BA-Vorsitzenden Dr. Rainer Hess erstmals eine sektorenübergreifende Qualitätssicherung starten, bei der die Versorgungsqualität in der gesamten Behandlungskette bewertet wird. Das AQUA-Institut hat dafür 52 Qualitätsindikatoren entwickelt. Demnächst soll ein erster Probelauf bei Katarakt-Operationen, Konisationen und Koronarinterventionen beginnen. Erstmals wird der G-BA mit pseudonymisierten Patientendaten arbeiten und diese länderübergreifend zusammenführen. „Damit wird es möglich, patientenbezogene Behandlungsabläufe und -ergebnisse in der stationären und ambulanten Behandlung zu bewerten“, erklärte Hess. „Das ist ein Meilenstein in der Qualitätssicherung.“
Handeln statt Reden – 17.000 Todesfälle sind jedes Jahr vermeidbar
Im Brennpunkt des Kongresses stand die Patientensicherheit. Die EU geht davon aus, dass jede zehnte Behandlung in der Europäischen Union fehlerhaft ist. Und der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat in seinem Jahresgutachten 2007 ausgeführt, dass 17.000 Todes-fälle in deutschen Krankenhäusern auf vermeidbare unerwünschte Ereignisse zurückzuführen sind. Für den stellvertretenden Vorsitzenden des Sachverständigenrates Prof. Dr. Matthias Schrappe zugleich wissenschaftlicher Leiter des Qualitätskongresses ist es deshalb an der Zeit, Qualitätssicherungsmaßnahmen ziel- und ergebnisorientiert umzusetzen. „Nach fünf Jahren der Appelle und öffentlicher Aktionen für mehr Qualität haben wir viel erreicht: Ärzte sprechen heute über ihre Fehler, die Notwendigkeit der Händedesinfektion ist in aller Munde“, sagte Schrappe. „Jetzt brauchen wir konkrete Veränderungen in den Rahmenbedingungen, damit Qualitätssicherung einen verbindlichen Charakter bekommt.“
Arzneimitteltherapiesicherheit im Fokus der Gesundheitspolitik
Fehler in der Medizin können verhängnisvolle Folgen haben, das machen nicht nur Hygieneskandale deutlich. Der Sachverständigenrat geht gegenwärtig geht davon aus, dass bei ca. 5 % der medikamentös behandelten Patienten Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) auftreten und dass bei etwa 3 - 6 % aller Patienten, die stationär auf internistischen Stationen aufgenommen werden (geschätzt 150.000 -300.000), eine UAW Ursache für diese Aufnahme ist. 2,3 % der Patienten verstarben als direkte Auswirkung der UAW.
Angesichts dieser Zahlen und 56.000 zugelassenen Medikamenten, von denen rund 6.000 Interaktionen bekannt sind, ist die Arzneimitteltherapiesicherheit in den Fokus der Gesundheitspolitik geraten. So hat das Bundesministerium für Gesundheit 2007 den Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit ins Leben gerufen. Gemeinsam arbeiten Ärzte, Apotheker, Patientenvertreter und das Aktionsbündnis für Patientensicherheit daran, Strategien zur Risikovermeidung zu entwickeln und Informationen über Arzneimittel zu verbessern. So wird etwa gemeinsam mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) eine DIN-Norm erarbeitet, die eine farbliche Kennzeichnung von Hochrisikoarzneimitteln im Bereich der Anästhesie beinhaltet.
Der Vorsitzende von Gesundheitsstadt Berlin, Ulf Fink sagte dazu: „In der Arzneimitteltherapie besteht ein enormer Handlungsbedarf. Umso wichtiger ist es, dass Maßnahmen wie der Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in verbindliche Normen überführt werden.“
Deutscher Qualitätspreis Gesundheit 2010 geht an Dr. Axel Munte
Ein Höhepunkt des 4. Nationalen Qualitätskongresses war die Verleihung des Deutschen Qualitätsprei¬ses Gesundheit. Ausgezeichnet wurde der langjährige Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Dr. Axel Munte. In seiner Laudatio hob der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Dr. Maximilian Gaßner, insbesondere die innovativen Ansätze der KV Bayern zur Qualitätssicherung und qualitätsbezogenen Vergütung hervor, die unter der Regie von Herrn Dr. Munte in der ambulanten Versorgung in Bayern umgesetzt worden sind. Die vom gemeinnützigen Verein Gesundheitsstadt Berlin gestiftete Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert und der bedeutendste nationale Qualitätspreis für das Gesundheitswesen.
Über den 4. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit
Ziel des Nationalen Qualitätskongresses Gesundheit ist es, die Qualität im Gesundheitswesen durch konkrete Maßnahmen und Änderung der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen nachhaltig zu verbessern. Kooperationspartner sind das Aktionsbündnis für Patientensicherheit (APS) die Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung (GQMG), die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI), die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM), die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AKDÄ), das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) und das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO).
Der 5. Nationale Qualitätskongress Gesundheit findet am 24. und 25. November 2011 in Berlin statt. http://www.qualitaetskongress-gesundheit.de/
Pressekontakt
Dr. Franz Dormann
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